wohnen+/-ausstellen

Leitung und Konzept
Prof. Dr. Irene Nierhaus
Dr. Kathrin Heinz

Aktuell wird das Forschungsfeld zum Thema wohnen+/-ausstellen aufgebaut. Wohnen – jener vermeintliche Ort des Privaten – ist in der Moderne als gesellschaftlicher Schauplatz figuriert, an dem sich die innenorientiert moderne Subjektivität fortwährend veräußert, ausstellt und ausstellen muss. Wohnen richtet als politische, soziale und kulturelle An-Ordnung Zuschreibungen an Geschlechter, Ethnien, Körper und Nation ein. Auch Ausstellen ist eine Konstellation sozialer und kultureller Narrative, die im Akt des Zeigens Wissen und Vorstellungen produziert. Im Forschungsfeld wohnen+/-ausstellen wird das Prinzip des Einrichtens und Ausstellens in verschiedenen bildlichen und räumlichen Formaten des Zu-Sehen-Gebens untersucht, z.B. Wohn- und Kunstausstellungen, Interieur(bilder), Atelier, Publikumszeitschriften, Film, Fernsehen und Internet. Angeschlossen daran ist eine Schwerpunktbildung zu Künstlermythen/Autorschaft. Unter geschlechterdifferenten Fragestellungen werden Konzeptionen von Künstlerschaft und Kreativität kritisch analysiert, z.B. das Raummodell des Ateliers oder die Künstler- bzw. Architektenwohnung.

Das langfristig angelegte Forschungsfeld ist in der Kooperation des Instituts für Kunstwissenschaft - Filmwissenschaft - Kunstpädagogik der Universität Bremen mit dem Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender situiert.

 


 

Forschungsgruppe
wohnen+/-ausstellen

Mitglieder
Dr. Katharina Eck, Prof. Dr. Insa Härtel,
Johanna Hartmann, Dr. Kathrin Heinz,
PD. Dr. Christiane Keim, Prof. Dr. Irene Nierhaus,
Anna-Katharina Riedel, Dr. Mona Schieren,
Astrid Silvia Schönhagen, Rosanna Umbach

Zeitraum: seit Dezember 2009

Forschungsprojekt Wohnseiten. Deutschsprachige Zeitschriften zum Wohnen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ihre medialen Übertragungen

Leitung: Prof. Dr. Irene Nierhaus, Dr. Kathrin Heinz 
Koordination
: Dr. Katharina Eck, Anna-Katharina Riedel, Rosanna Umbach

Das Forschungsprojekt Wohnseiten im Forschungsfeld wohnen+/–ausstellen widmet sich der grundlegenden Erforschung und Analyse vorwiegend deutschsprachiger illustrierter Zeitschriften zum Thema Wohnen. Dabei werden sowohl historische als auch aktuelle Zeitschriften sowie weitere (inter)mediale, durch eine serielle Ästhetik gekennzeichnete Formate berücksichtigt und aus einer medienästhetischen und ideologiekritischen Perspektive angeschaut. Gefragt wird, auf welche Weise Zeitschriften Diskurse des Wohnens produzieren und vermitteln, und inwiefern dadurch die seit der Moderne wirksamen Vorstellungs- und Subjektivierungsweisen konstitutiv mitgestaltet werden. Der Materialkorpus reicht von Modejournalen über Familienblätter und Hausfrauenzeitschriften des 19. Jahrhunderts bis zu Zeitschriften, die sich ab der Wende zum 20. Jahrhundert mit Fragen der ästhetischen und sozialen Gestaltung von Wohnzusammenhängen auseinandersetzen. Gerade auch beliebte Formate wie Schöner Wohnen oder Landlust, die am Markt etabliert sind und sich über die Jahre ihres Erscheinens auch gewissermaßen immer wieder neu erfunden haben, stellen eine wertvolle Quelle dar. Für eine möglichst umfassende und zugleich fundierte Forschung haben sich einzelne Teilprojekte entwickelt, die sich auf jeweils unterschiedliche Zeiträume und Materialien konzentrieren, mit dem Ziel, Wohndidaktiken und Zeigestrategien in ihrer historischen Spezifik und gesellschaftlichen Wirkmacht herauszuarbeiten. Wie greifen bereits um 1800 Vorstellungen von Schönheit und Zweckmäßigkeit der Einrichtung mit frühen Konsum- und Reklamestrategien ineinander? Was ist die Rolle von Design bezogen auf Wohnsubjekte und wer verbreitet auf welche Weise Ideen von „gutem“ oder „richtigem“ Wohnen? Wie spielen Kategorien von Geschlecht, Familie und Nationalität in das Wohnen hinein? Mit welchen Text-Bild-Verbünden haben die Rezipient_innen es zu tun, und wie werden Leser_innen überhaupt angesprochen oder in die neu produzierten Diskurse (immer wieder neu) integriert? Kann ein Populärmedium, das sich an eine spezifische Masse wendet, maßgeblich die Diskurse und Debatten in Kunst und Design mitbestimmen? Welche Subjekte werden produziert und in welchen Räumen werden sie gezeigt? In historischer Perspektive ist dabei auch das Verhältnis von Einzelgegenstand und Wohnensemble interessant. Zu fragen wäre etwa, ab wann und in welcher Konstellation neben einzelnen Möbelstücken auch das Raumgefüge des Interieurs verhandelt wird. Wie ändern sich die Relationen, in denen die beiden Bereiche zueinander gedacht werden? In welchen Formaten und Kontexten kommen Ratgeber-Rubriken, Do-it-yourself und Alltagspraktiken in Verbindung mit dem Wohnen vor, wo gibt es Überschneidungen mit oder Abgrenzungen von anderen Rubriken? Auch Aspekte der Biopolitik und Gesundheits- bzw. Hygienediskurse spielen in den Innen- und Zwischenraum des (miteinander) Wohnens hinein und werden in den Teilprojekten mit untersucht. Das Forschungsprojekt hat neben der Grundlagenforschung und Erschließung des Feldes illustrierter Zeitschriften für die Kunstwissenschaft auch das Ziel der Nachwuchsförderung und der weiteren Vernetzung mit anderen forschenden Institutionen und Arbeitsgruppen.


Teilprojekte der Forschungsgruppe Wohnseiten

Dr. Katharina Eck (FG Wohnseiten; Assoziierte Wissenschaftlerin am MSI, Marburg/Bremen):
Postdoc-Projekt Wohn-Bilder in frühen Mode- und Gesellschaftsjournalen, 1786 –1839 [AT] mit einem Schwerpunkt zu Wohn-Bildern in frühen illustrierten Zeitschriften um 1800 wie dem Weimarer Journal des Luxus und der Moden

Prof. Dr. Insa Härtel (FG Wohnseiten; Professorin für Kulturwissenschaft an der International Psychoanalytic University Berlin (IPU) und Assoziierte Wissenschaftlerin am MSI):
Forschungsprojekt zu „Messie“ mit Methode: Wohnmüll im TV-Format

Nora Johanna Huxmann (FG Wohnseiten; Nachwuchsprofessorin für Pflanzenverwendung in der Landschaftsarchitektur, Hochschule Ostwestfalen-Lippe/Höxter):
Forschungsprojekt zu Wohnen und Gärten

Dr. habil. Christiane Keim (FG Wohnseiten; Assoziierte Wissenschaftlerin am MSI)

Anna-Katharina Riedel (FG Wohnseiten und Mariann-Steegmann-Stipendiatin):
Promotionsprojekt Schöner Wohnen wollen (sollen) – Optimierung als Subjektivierungsweise im Wohnen. Die Zeitschrift ‚Schöner Wohnen‘ in den 1980er und 1990er Jahren [AT]

Rosanna Umbach (FG Wohnseiten und Mariann-Steegmann-Stipendiatin):
Promotionsprojekt Gewohnte Beziehungsweisen –Visuelle Politiken des Familialen im Schöner Wohnen Magazin der 1960er und 1970er Jahre [AT]


Bisherige Veranstaltungen der Forschungsgruppe Wohnseiten:

Seiten des Wohnens: Bild, Text, Serie
12.-13. Mai 2017 an der Universität Bremen

Workshop des Forschungsprojektes Wohnseiten.
Deutschsprachige Zeitschriften zum Wohnen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ihre medialen Übertragungen

Leitung: Prof. Dr. Irene Nierhaus, Dr. Kathrin Heinz

Organisation: Dr. Katharina Eck, Anna-Katharina Riedel, Rosanna Umbach

Schöner Wohnen, Landlust, Journal des Luxus und der Moden… Diese und weitere Zeitschriften zielen darauf ab, bereits auf den ersten Blick Ideale und Handlungsweisen des Wohnens zu vermitteln. Über Kriterien wie die einer ‚guten‘ und ‚stilvollen‘ Dekoration im Wohnraum hinaus, geht es um die Ausgestaltungen von Beziehungsräumen in all ihren ästhetischen, sozialen, politischen und didaktischen Dimensionen. Seit der Herausbildung und Ausdifferenzierung des Genres der Wohnzeitschriften im Verlauf des 19. Jahrhunderts werden durch Präsentationen von Wohnen, Innenräumen, Architektur und Alltagspraktiken Subjektivierungsweisen mitproduziert. Die Wohndiskurse und die Ästhetiken ihrer Zur-Schau-Stellung wirken buchstäblich und bildlich von allen Seiten in die Gesellschaft und werden im Workshop auf ihre Zeige- und Nichtzeige-Strategien hin untersucht. Dabei werden verschiedene Medien, sowohl aktuelle Zeitschriften als auch historische Presseerzeugnisse und andere serielle Formate, analysiert.